Klinge


  Die Macht des Worts kann nur das Messer brechen. So: wie es Kartoffeln schält und Fell vom Hasenfleisch abtrennt, so, beinahe, teilt es Sinn und Klang im Schlund der Männer. Doppelschneide, in den Hals getrieben, die Gewalt um Blut und Treue kennt ihr Recht. Erst in dem engen Raum, der zwischen Sein und Tod als Streben klafft, dem Schnitt im Maß der Zeit, zahlt silbenweise sich der Glaube heim. Fast wie das Messer Eier aufschlägt, Knoten öffnet, eine Maus erlöst aus ihrer Falle.


  Kein Bild entspricht dem Eisen, das sich selbst am Rost noch schärft, kein Film kann seinen Hieb begreifen.


  Nur das Feuer wird die Schönheit dieser Klinge übertreffen. Feuer, wie es allem Gleiches tut, das je gelebt. Im Ziel die Asche. Licht ist sich genug, es braucht kein Ja und Nein. Glanz im Dunkel wo die Dichter schrein.

1998 - 2010 © Ingo Schramm
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